richard-wagnerDer deutsche Komponist Richard Wagner wurde im 3. Reich verehrt. Er war Adolf Hitlers Lieblingskomponist – der spätere Literaturnobelpreisträger Thomas Mann stellte fest, dass viel Hitler in Wagner sei. In Israel ist bis heute die Aufführung von Wagner-Opern nahezu unmöglich. Vor einigen Wochen wurde in der Tel Aviver Universität ein großes Konzert abgesagt. Die Haltung der Israelis wird von vielen kritisch bewertet – doch es ist die freie Entscheidung des jüdischen Volkes, Wagner nicht zu spielen.

 

Wagner im Nationalsozialismus

Richard Wagner beschimpfte das jüdische Volk in seiner Schrift „Das Judenthum in der Musik“ (1869) aufs Übelste und tat seine antisemitische Weltanschauung öffentlich kund. Zwar war Antisemitismus zur Zeit Wagners in der bürgerlichen Oberschicht durchaus „salonfähig“, doch kein anderer Musiker wurde von den Nationalsozialisten so vereinnahmt. Adolf Hitler beschäftigte sich umfangreich mit dem Wagner-Werk – er vergötterte sein Idol und nahm nach der Machtergreifung Einfluss auf die Bayreuther Festspiele.

 

Die Emotionen der Israelis

Für Überlebende, Betroffene und Nachkommen des Holocaust ist Wagner untrennbar mit dem Nationalsozialismus verknüpft. Es gibt in Israel weder ein Gesetz noch einen Beschluss der Regierung, Wagner nicht aufzuführen – aus Rücksicht auf die Emotionen der Menschen wird jedoch von Aufführungen Abstand genommen – völlig zu Recht. Es wird oft angeführt, dass man die Musik unabhängig von der Person des Komponisten sehen müsse. Das stimmt für Bürger, die die Schrecken des nationalsozialistischen Terrors nicht ertragen mussten, sicherlich – doch Überlebenden und Nachkommen muss dies nicht zugemutet werden. Diese angespannte Situation wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wahrscheinlich entspannen, so wie sich auch das Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis in den letzten 60 Jahren entspannt hat. In einigen Jahren kann es dann vielleicht ohne Proteste und medialen Beschuss zu Wagner-Aufführungen kommen.

 

Lehren ziehen ohne die Musik herabzuwürdigen

In Richard Wagner zeigen sich zwei Facetten: Der rassistische Antisemit und der begnadete Künstler und Musiker. Man kann die Musik von der Person trennen ja, man kann aber auch die Irrschlüsse und Fehler des Künstlers aufzeigen ohne sein musikalisches Werk herabzusetzen: Wagner war einer der bedeutensten Komponisten Deutschlands und noch heute gehören die Bayreuther Festspiele zu den kulturellen Höhepunkten des Jahres.