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Was haben Jörg Kachelmann, Dominik Brunner, Alois Mannichl und Andreas Türck gemeinsam? Sie waren oder sind alle an Verfahren und Ermittlungen beteiligt, über die unsere Medien mit erheblicher Voreingenommenheit einhergehend mit größtmöglicher Sensationslust berichteten. Der Boulevard schaffte es innerhalb kurzer Zeit, die Beschuldigten Türck und Kachelmann so zu diskreditieren, dass sich bei den Lesern der Eindruck verfing „Wird schon was dran sein an den Vorwürfen“. Die Unschuldsvermutung wurde ad absurdum geführt ohne Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Beschuldigten. Und selbst wenn die Unschuld bewiesen wurde, wie im Fall Türck, bleibt ein ewiger Malus haften. Seine Fernsehkarriere ist zumindest für immer vorbei. Bei Kachelmann muss man abwarten, wie das Gericht entscheidet. Er hat schon einmal Klage eingereicht, wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Auf der anderen Seite werden auch die Opfer von eben diesen Boulevard-Medien schnell zu Volkshelden stilisiert. Die Zivilcourage und das beherzte Eingreifen von Dominic Brunner ist ohne Wenn und Aber lobenswert. Sein Verhalten hat in Deutschland eine Debatte in Gang gesetzt, bei der gerade das Wegsehen und der Egoismus unserer Gesellschaft zu Recht anprangert wurde. Ich als Medienkonsument ging immer davon aus, dass Brunner mit äußerster Brutalität totgeschlagen und totgetreten wurde. Es stand für mich außer Frage, dass die Täter wegen Mordes eine lange Zeit hinter Gittern verbringen werden. Es wurde aber nun während des Prozesses bekannt, dass der Vorfall an der Münchner S-Bahn ganz anders abgelaufen ist als angenommen. Für die Medien wäre es eigentlich die journalistische Pflicht gewesen, die genauen Umstände zu prüfen. Stattdessen wurden die Angaben einfach gegenseitig übernommen. Die Fakten stellen sich nun so da, dass Brunner als erster Gewalt angewendet hat und die Schläge und Tritte der Täter nicht zum Tod Brunners führten, sondern dass sein Herz einfach zu schwach war. Diese Umstände waren der Staatsanwaltschaft von vornherein bekannt.

Ähnlich verlief es im Fall Mannichl. Dieser wurde mit einem Messer niedergestochen. Schnell wurde ein Zusammenhang zur rechtsextremen Szene hergestellt. Es mag nahe liegend gewesen sein, den Täter in diesem Umfeld zu suchen. Die Medien verließen sich auch hier auf Mutmaßungen und Spekulationen, ohne diese Annahme auch nur annährend zu hinterfragen. Die Sache war klar: „Es waren Nazis mit auffälligen Tätowierungen“. Ein Pärchen wurde festgenommen und musste aus Mangeln an Beweisen wieder freigelassen worden. Die Folge war ein großer öffentlicher Aufschrei. „Wie kann man die nur laufen wieder laufen lassen?“. Das Selbstverständnis von Rechtstaatlichkeit scheint bei manchen auf verschiedene Weise ausgeprägt zu sein. Später kamen erhebliche Zweifel auf, ob die Tat wirklich so abgelaufen ist, wie sie von Mannichl dargestellt wurde. Der Fall verlief dann letztendlich im Sande.

Fazit: Es wird für den Nachrichten-Konsumenten immer schwieriger, bei solchen großen öffentlichen Verfahren Manipulationen, Übertreibungen oder bewusste Verdrehung von Fakten als solche zu entlarven.

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