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Unser Gesundheitssystem mag immer noch zu den Besten der Welt gehören. Trotzdem krankt es. Chronisch unterfinanziert, hohe Verwaltungskosten, vergleichsweise treuere Medikamente. Der Erkenntnisprozess, dass Reformbedarf besteht, ist seit langem abgeschlossen. Die Umsetzung dessen scheint jedoch nicht voranzukommen. Zu sehr sind Gesundheitsreformen durch parteipolitische und ideologische Grabenkämpfe gekennzeichnet – leider. Der bisher letzte Akt kann auch nicht als großer Wurf angesehen werden. Durch die Einfrierung des Arbeitnehmerbeitrags wurde die paritätische Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) endgültig begraben. Zukünftige Kostensteigerungen werden einzig auf die Versicherten abgewälzt. Und das nicht nur über einen höheren Beitragssatz sondern auch durch die Möglichkeit der Kassen, Zusatzbeiträge erheben zu können.

Bei allen Diskussionen über den richtigen Weg ist seltsamerweise noch nie das Thema Anzahl der Krankenkassen auf die Agenda gelangt. Zwar prognostiziert man bis 2015 die Reduktion auf dann insgesamt nur noch 30-50 Kassen. Allerdings sollte hinterfragt werden, warum der Gesetzgeber nicht das Ziel verfolgt, alle gesetzlichen Krankenkassen zusammenzulegen und auf nur noch eine einzige “Deutsche Krankenversicherung” zu reduzieren. Die Verwaltungskosten könnten um einen immensen Betrag verringert werden. Weniger Spitzenposten in den Vorständen, ein insgesamt verminderter Mitarbeiterstamm, Reduktion der örtlichen Anlauf- und Beratungsstellen. Aktuell befinden sich schließlich in jeder Kleinstadt Büros aller großen gesetzlichen Versicherer.

Das Argument, dass viele Kassen auch zu stärkerem Wettbewerb untereinander führen, ist irreführend. Zunächst sind die meisten Leistungen gesetzlich festgelegt und werden von allen Kassen getragen. Außerdem hatten wir einen echten Wettbewerb, bis der Gesetzgeber einen Einheitssatz festgeschrieben hat. Sicher hat man durch die Möglichkeit der Erhebung von Zusatzbeiträgen über die Hintertür wettbewerbsähnliche Bedingungen wieder eingeführt. Unter dem Strich muss der Versicherte aber nur eine Verteuerung des Systems hinnehmen.

Eine solche “Einheitskasse” wäre wohl der größte Einschnitt in der Geschichte der GKV. Aus diesem Grund ist ein solches Ziel auch nicht von heute auf morgen erreichbar und muss über Parteigrenzen hinweg gemeinsam erarbeitet werden. Auch stecken viele Arbeitsplätze bei den Kassen dahinter, wofür eine verträgliche Lösung gefunden werden muss. Legt man das Ziel jedoch langfristig auf etwa 10 Jahre an, so kann eine Umsetzung aus Sicht der GKV-Angestellten sicherlich unter sozialen Bedingungen erfolgen.

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