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Zur Abwechslung einmal kurz etwas, was auf den ersten Blick eher ein Schmunzeln als ernstzunehmende Angst hervorruft. Als hätten die Schweizer nicht schon genug Sorge, dass eine CD in Verbindung mit deutschen Steuerfahndern das Schweizer Bankgeheimnis in Frage stellt. Nein, nun hat der libysche Herrscher Muammar al-Gaddafi auch noch zum Heiligen Krieg (“Dschihad”) gegen unsere Nachbarn aufgerufen. Er begründet dies damit, dass diese muslimische Einrichtungen wie Minarette und Moscheen zerstören würden. Nun ja, da hat er wohl das vielleicht unwichtige Detail am Rande vergessen, dass die Eidgenossen sich lediglich gegen den Neubau islamischer Gotteseinrichtungen per Volksentscheid ausgesprochen haben – von Abriss oder Zerstörung war nicht die Rede. Überhaupt scheint Gaddafi ein gestörtes Verhältnis zur schweizerischen Alpenrepublik zu haben. So schlug er vor noch nicht allzu langer Zeit den Vereinten Nationen vor, dass schweizerische Staatsgebiet unter den angrenzenden Staaten Deutschland, Frankreich und Italien aufzuteilen. Grund war damals, dass sein Sohn Hannibal im Jahr 2008 in Genf unter dem Verdacht der Misshandlung von Hausangestellten vorübergehend in Gewahrsam genommen worden war.

Schmunzeln auf der einen Seite – aber kann man die Aussage ignorieren? Eine Antwort fällt hier schwer. Sicherlich gibt es genug fanatische Terroristen, die sich durch Gaddafis Aufruf geradewegs dazu berufen fühlen, zukünftig auch Anschläge auf schweizerischem Territorium oder gegen Unternehmen und Einrichtungen der Schweiz zu verüben. Des Weiteren sollte nicht vergessen werden, dass Gaddafi in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch ein tatkräftiger Unterstützer des Terrorismus war (Lockerbie-Attentat, Anschlag auf die Diskothek “La Belle”). Auch wenn Terroropfer mittlerweile finanziell entschädigt wurden, er eine gewisse Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzogen hat und er heutzutage von Staatsmännern wie Schröder und Berlusconi hofiert wird – ganz hinüber wegsehen sollte man über seine Aussagen nicht.

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