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Alle Welt war sich einig nach der großen Immobilien-Blase, der Lehman-Pleite und dem daraus entstandenen Finanz-Tsunami: die Auswüchse des Raubtierkapitalismus müssen gestoppt werden. Es darf nie mehr zu solchen perversen Zockereien kommen. Harte Regeln müssen her, enge Fesseln sind erforderlich. Dies war der Konsens aller G20-Regierungschefs auf der Konferenz in Washington Ende 2008, der als “Gipfel der guten Absichten” in die Geschichte eingehen wird. Dass all die guten Vorsätze Lippenbekenntnisse waren, wird in den letzten Monaten immer deutlicher. Denn das Casino an den Börsen blüht wieder, wie zu den größten Boom-Zeiten. Die Maßnahmen der Regierungen rund um den Globus, die Finanzströme besser zu filtern und zu kontrollieren, sind im Großen und Ganzen verpufft. Das Geld sucht sich eben einen anderen Weg. Man kann immer noch auf fallende Kurse oder sogar pleitebedrohte Staaten wetten und damit sehr reich werden.

Fragwürdige Gewinne

Ein Indiz dafür ist eine Meldung vom vergangenen Wochenende, als bekannt wurde, dass der Hedgefonds-Manager John Paulson im Jahr 2010 die unvorstellbare Summe von 5 Mrd. US-Dollar verdiente – persönlicher Gewinn wohlgemerkt. Es ist der gleiche John Paulson, der bereits 2005 die Immobilien-Krise kommen sah und auf einen Crash wettete, was das Zeug hielt. Alleine damit machte er einen 3,7 Mrd. US-Dollar-Reibach, als zig Tausende Amerikaner ihr Eigentum verloren. Des Weiteren gründete er zusammen mit Goldman Sachs einen Fonds, der nur darauf angelegt war, schlechte Kredite einzusammeln, diese als Fondsanteile zu verkaufen und gleichzeitig auf den Ausfall der Kredite zu wetten. Auch am Zerfall der deutschen Hypothekenbank IKB hat Paulson kräftig verdient. Die amerikanische Justiz konnte ihn zwar in den Schwitzkasten nehmen, aber ihm letztendlich nichts anhaben. Gegen eine Summe von 550 Mio. US-Dollar wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Es wird wieder gezockt

Nun geht es also weiter mit der wilden Zockerei, als wenn nichts gewesen wäre. Alleine an Boni für die Bankmanager von Goldman Sachs werden für das Jahr 2010 satte 17,5 Mrd. US-Dollar ausgeschüttet. In Anbetracht der Tatsache, dass der Großteil dieser Gewinne wieder aus hochriskanten Spekulationsgeschäften resultiert, kann dies einfach nicht nachvollziehbar sein. Die laufende Berichtssaison in den USA hat ebenfalls Traumergebnisse hervorgebracht. JP Morgan hat im letzten Quartal 4,8 Mrd. US-Dollar Gewinn gemacht. Es läuft halt wieder alles nach Plan. Die Party läuft weiter. Mal sehen wann der nächste Kater kommt. Dieser könnte um einiges schmerzhafter sein, als der vorherige.

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