IMG_20190419_143327_847Die schwedische Initiatorin der „Fridays for Future“-Bewegung, Greta Thunberg, ist inzwischen weltweit bekannt. Am 20. August 2018, dem ersten Schultag nach den Ferien, begann sie mit ihrem Protest, indem sie sich mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm platzierte. Seit dem protestiert sie jeden Freitag, statt zur Schule zu gehen. Ihre Initiative machte schnell Schule und breitete sich rasch in Schweden und vielen anderen Ländern weltweit aus.

 

Kritische Sicht auf die Bewegung in der deutschen Politik

Dennoch wird die Initiative sehr kontrovers bewertet, da der Schulunterricht am Freitag regelmäßig durch die an der Bewegung teilnehmenden Schüler boykottiert wird. Insbesondere aus diesem Grund wird die Bewegung nicht nur positiv gesehen und selbst innerhalb der CDU-Spitze scheint es unterschiedliche Ansichten zu geben. Während sich Bundeskanzlerin Merkel hinter die Bewegung stellte, wird sie von der neuen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer sehr kritisch gesehen.

So erklärte Merkel: „Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen“ und „Ich glaube, dass das eine sehr gute Initiative ist.“

Kramp-Karrenbauer erklärte dagegen: „Es bleibt die Tatsache, dass sie dafür die Schule schwänzen“ – wären, so Kramp-Karrenbauer, ihre Kinder in dem Alter, um an den Protesten teilzunehmen, würde sie ihnen keine Entschuldigung für die Fehltage schreiben. Wer die Schule schwänze, um zu demonstrieren, müsse auch den verpassten Unterrichtsstoff selbst nachholen.

In den Medien betonen die Initiatoren und auch Befürworter der Bewegung, dass man sich nur durch diesen zivilen Ungehorsam ausreichend Gehör verschaffen könne.

 

Eine globale Massenbewegung junger Menschen

Die Bewegung ist inzwischen global aktiv und hatte am Freitag, dem 15. März 2019 ihren vorläufigen Höhepunkt. Schüler in 120 Ländern der Welt gingen auf die Straße, um für bessere Klimapolitik zu demonstrieren. In Deutschland beteiligten sich an diesem Tag schätzungsweise mehr als 300.000 Menschen in 220 Städten an den Protesten – in Berlin waren es zwischen 15.000 und 20.000 Schüler.

So auch in der Brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Hier versammelten sich am 15. März vor dem Landtag über 1.800 Menschen, die mehr Klimaschutz und einen früheren Ausstieg aus der Braunkohle forderten. Neben den überwiegend Schulpflichtigen waren aber auch Erwachsene dabei, die den Demonstrationszug begleiteten und das Anliegen unterstützten. Teilweise herrschte Volksfeststimmung. Auf Plakaten waren Sprüche zu lesen, wie „Die Zukunft des Planeten ist wichtiger als mein Mathe-Abi“ oder „Warum lernen für eine Zukunft, die nicht existiert“. Zwischendurch stoppte der Protestzug und die Organisatoren in Potsdam riefen: „Alle legen sich jetzt auf den Boden – Wir simulieren jetzt die Klimatoten.“

Aber auch hier gibt es unterschiedliche Stimmen. So kritisierte etwa der Lausitzer SPD-Abgeordnete Wolfgang Roick die Demo in der Schulzeit: „Die friedliche Revolution in der DDR hat auch abends stattgefunden.“ Die Schüler lassen das jedoch nicht gelten und erklärten: „Es geht nicht darum, wann gestreikt wird, sondern wofür.“

Inzwischen bietet der Potsdamer Anwaltsverein kostenlose Rechtsberatungen an, wenn an den Protesten teilnehmenden Schülern Sanktionen oder Bußgelder drohen, die laut brandenburgischem Schulgesetz für Schuleschwänzen bis zu 2.500 EUR betragen können.

 

Grundsätzlich scheinen die Schülerproteste in vielen brandenburgischen Schulen positiv gesehen und so weit es geht, unterstützt zu werden. Teilnehmende Schüler mussten einen Antrag auf Befreiung stellen, um dann beurlaubt zu werden. Jedoch zog die Schulleiterin einer Schule in der brandenburgischen Kreisstadt Oranienburg ihre Unterstützung zurück, nachdem ein Vater eines der Kinder mit einer Klage gedroht hatte.
In Oranienburg gab es mehr als 200 Teilnehmer – Schüler, Lehrer und Eltern.

 

Kommentar von Gilbert Jacoby

Negative Auswirkungen des Klimawandels werden nicht ausbleiben und sind auch bereits spürbar. Denn abgesehen von den ausbleibenden Wintern hier im Osten Deutschlands gab es bspw. im letzten Jahr einen sehr trockenen Sommer – eigentlich bereits seit dem Frühjahr, nämlich ab April. Das hatte gerade hier in Brandenburg nicht nur schwere Waldbrände zur Folge – auch in der Landwirtschaft gab es Ernteausfälle. Eigentlich gab es in ganz Deutschland eine so schwere Trockenheit, dass die Flüsse Niedrigwasser führten, was ein Problem für die Binnenschifffahrt war. Es ist übrigens jetzt auch gerade wieder recht trocken hier in Brandenburg – wir haben wieder April.

Dass Mückenarten immer weiter nach Norden ziehen, die auch Malaria übertragen können, ist wohl noch das geringste an negativen Auswirkungen.

Globale Klimaerwärmung wird aber auch globale Auswirkungen haben. Es ist auch logisch – wenn das Festlandeis an den Polen schmilzt, steigt der Meeresspiegel an allen Küsten rund um den Erdball. Küstenregionen werden dadurch zunehmend überflutet und flache Inseln überspült werden.

Wärmere Meere werden auch mehr und stärkere Winde, wie etwa Hurrikans und Tornados begünstigen. Es verdunstet auch mehr Wasser in die Atmosphäre, was zu stärkeren Regenfällen führt und zwar perfiderweise vor allem in Regionen, wo es sowieso schon viel regnet, während trockene Regionen noch trockener werden. Wüsten werden sich weiter ausbreiten, was auch zu immer mehr Klimaflüchtlingen führen wird. Das alles kann bereits weltweit beobachtet werden.

Die Wissenschaftler sind sich weitgehend einig darüber, dass diese Klimaerwärmung hauptsächlich durch die Menschheit verursacht wird. Und wenn das so ist, dann sollte auch etwas getan werden.

Inwieweit Greta Thunberg und die Jugendlichen hierzulande tatsächlich den Überblick darüber haben (oder ob sie vielleicht eher angestiftet werden), kann ich nicht beurteilen. Es wird zum Teil auch etwas übertrieben, was die Auswirkungen angeht, da es teilweise so klingt, als stünde der Weltuntergang kurz bevor. Das ist natürlich nicht so.

 

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Quellen und Hintergrund