Beim ESC am 18. Mai 2019 in Tel Aviv war so einiges bemerkenswert und denkwürdig. Ja, er war umstritten.

Nicht zu den denkwürdigen und umstrittenen Dingen  zählt, dass der ESC in diesem Jahr in Israel stattfand. Denn der Wettbewerb findet immer in dem Land statt, aus dem der letzte Sieger kam.
Doch bereits ein Spot des TV-Senders Kan, der den ESC 2019 übertrug, sorgte sowohl bei Palästinensern, wie auch bei orthodoxen Juden für Aufregung. Denn dieser vom Sender als Satire deklarierte Spot bediente einerseits sogar teils antisemitische Stereotypen, wie etwa mit dem Satz: „Die meisten von uns sind Juden, aber nur einige sind habgierig.“
Andererseits wurde Jerusalem als Hauptstadt Israels bezeichnet, was international nicht anerkannt ist und allen dazu bestehenden UN-Resolutionen widerspricht. Zu sehen waren unter anderem der Tempelberg in Jerusalems Altstadt, der sowohl Muslimen als auch Juden heilig ist.
Ebenfalls für einen Eklat sorgten die Mitglieder der isländischen Band Hataris, die während der Punktevergabe Schals mit der Palästinenserflagge trugen.

Und dann Weltstar Madonna:
Dass sie mit einem riesigen „Hofstaat“ mit über 100 Leuten anreiste – geschenkt. Die Proben für ihren Auftritt waren geheim – niemand Fremdes durfte bei den Proben dabei sein. Aber auch das sei einem Weltstar gegönnt.
Zu Aufregung und sogar Spott führte dann aber ihr Auftritt. Ich habe den Auftritt von Madonna auch gesehen und habe die schrägen Töne bei ihrem Gesang auch gehört.
Alle zerrissen sich über diesen Auftritt den Mund – auch unsere Medien. Ich blieb jedoch skeptisch und fragte mich: Was war da los? Ein Weltstar, wie Madonna, soll nicht live singen können? Das kann nicht sein!
Ich recherchierte und konnte nicht glauben, welcher Unterschied zwischen dem offiziellen Video und sowohl der Livesendung als auch einem im Publikum aufgenommenen Video zu hören war.
Zum Vergleich bitte beide Videos nacheinander anschauen:



Wie ist das möglich?
Wollte irgendjemand Madonna fertig machen und hat beim Auftritt an den Tonreglern „herumgespielt“?
Das wäre mein Verdacht. Denn es gab noch etwas anderes, das wohl anscheinend auf israelischer Seite für Entrüstung sorgte. Zwei ihrer Tänzer trugen auf ihrem Rücken jeweils eine israelische und eine palästinensische Flagge – die Flagge eines Staates also, den Israel durch seine Siedlungspolitik offensichtlich verhindern will und die selbst in den von Palästinensern bewohnten Gebieten zu zeigen verboten ist. Auch dies wurde von israelischer Seite als Provokation gesehen – gemeint war von Seiten der Künstler damit allerdings ein Aufruf zur Versöhnung beider Seiten und zum Frieden.

Kritik übte umgehend auch die Europäische Rundfunkunion, die den ESC organisiert, an dem Statement. Es sei nicht Teil der Proben gewesen. Zudem machte die Organisation darauf aufmerksam, der Eurovision Song Contest ist ein unpolitisches Ereignis und Madonna sei darüber informiert worden.
Madonna reagierte auf die Kritik mit dem Hinweis: „Eine Botschaft des Friedens ist nicht politisch.“

Die unpolitische Charakteristik der Veranstaltung – des ESC – war diesmal angesichts der politischen Spannungen in der Region wohl kaum zu gewährleisten. Einerseits bereits im Vorfeld durch den satirischen Spot und andererseits gab es sogar Boykottaufrufe gegen den ESC in Tel Aviv.
Ich finde das alles schade. Es tut einer Musikveranstaltung nicht gut, die eigentlich Völker verbinden und nicht noch weiter gegeneinander aufstacheln soll.

Ach ja, der deutsche Beitrag erreichte übrigens nur Platz 24 von insgesamt 26. Kein einziger Punkt kam vom Publikum sämtlicher Teilnehmerländer. Das gibt mir auch irgendwie zu denken.

 

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