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Da tut sich was bei der Bundeswehr. Die Debatte über Einsparmöglichkeiten scheint tatsächlich ohne Tabus zu verlaufen. Zunächst wollte der Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht abschaffen bzw. aussetzen. Nach anfänglicher Kritik aus den eigenen Reihen scheint er sich mit diesem Vorschlag durchsetzen zu können. Nun empfiehlt die sogenannte “Weise-Kommission” den Hauptsitz seines Ministeriums nach Berlin zu verlegen. Die bisherige Arbeitsteilung sah dafür die Bonner Hardthöhe vor, wohingegen im Berliner Bendlerblock nur ein Zweitsitz vorhanden ist.

Die Hindernisse sind nicht zu unterschätzen. Die vorliegende Arbeitsteilung ist gesetzlich geregelt, u.a. im Bonn-Berlin-Gesetz. Das betrifft sowohl die Anzahl der Hauptsitze sowie die Anzahl der Mitarbeiter in den jeweiligen Städten. Das Verteidigungsministerium nach Berlin zu verlegen würde die Mitte der 90er Jahre festgelegten Grundsätze komplett umkrempeln. Davor zurückschrecken sollte man trotzdem nicht. Die Aufgabenteilung wurde einst vorgenommen, um das im Vergleich zu Berlin eher beschauliche Bonn nicht auf einen Schlag zu hart zu treffen. Die Erwartungen reichten damals von leer stehendem Wohnraum bis zu Massenpleiten. Bewahrheitet haben sich diese Befürchtungen nicht. Bonn ist nach wie vor eine lebendige Stadt und ist nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Bonn hat viele Studenten, eine niedrige Arbeitslosigkeit und legt – im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten – sogar zahlenmäßig an Einwohnern zu. Mit der Deutschen Telekom und der Deutschen Post ist Bonn Standort zweier großer DAX-Unternehmen. Einrichtungen der Vereinten Nationen haben sich im ehemaligen Regierungsviertel angesiedelt. Selbst kulturell hat man mehr zu bieten, als viele Außenstehende vermuten. Wer schon einmal an der Museumsmeile war weiß, wovon ich rede.

Und Berlin? Berlin ist unsere einzige Großstadt mit Metropolcharakter. Sie zur Hauptstadt zu erheben war richtig und ein Symbol des wiedervereinigten Deutschland. Bonn den Regierungssitz zu entziehen eher nicht. Eine kleine aber feine Hauptstadt zu besitzen hatte einen gewissen Charme. Außerdem hat man mit dem Umzug die über 40jährige Geschichte Bonns als Hauptstadt etwas verleugnet. Wohlmöglich hätte es ausgereicht, in Berlin repräsentative Institutionen anzusiedeln, wie beispielsweise das Bundespräsidialamt. Sicher hätten auch einige Bundeseinrichtungen, die nicht direkt in der Nähe von Kanzler und Bundestag angesiedelt werden müssen, nach Berlin verlegt werden können. Darüber hinaus hätten mit den für den Umzug vorgesehenen Geldern kulturelle Projekte in größerem Umfang gefördert werden können, als es eh schon der Fall ist. Aber das Thema ist durch – hätte wäre wenn gibt es nicht. Im damaligen Einheitstaumel mag die Entscheidung sogar verständlich gewesen sein. Mit dem nun Vorhandenen müssen wir leben und das Beste daraus machen. Das Beste wäre es wohl, Schritt für Schritt alle bedeutenden Bundeseinrichtungen nach Berlin zu verlegen. Reiseaufwand, Pendlerkosten und Effizienzverluste machen auf Dauer keinen Sinn. Im Gegenzug sollten in Bonn jene Institutionen angesiedelt werden bzw. verbleiben, die nicht zwingend in der Nähe der Mächtigen ihren Sitz haben müssen.

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