Im Geschichte-Wissen Forum wurde in den vergangenen Jahren mehrmals über die Waffengesetze in den Vereinigten Staaten von Amerika diskutiert. Trauriger Anlass waren meist Amokläufe mit zahlreichen Todesopfern. Die Thematik ist sehr umstritten – gerade die europäischen Länder können die Regelungen in Amerika nicht nachvollziehen.

In diesem Artikel möchten wir die Argumente, die für und gegen schärfere Waffengesetze sprechen, aufführen.

 

Waffenveranstaltung
Die „Houston Gun Show“ im George R. Brown Convention Center, 24. März 2007.
Bild von https://www.flickr.com/photos/glasgows/ [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

Inhaltsverzeichnis

  1. Argumente für schärfere Waffengesetze beziehungsweise ein Waffenverbot
  2. Argumente gegen schärfere Waffengesetze beziehungsweise ein Waffenverbot
  3. Mehr Informationen zu den Waffengesetzen in den USA

1. Argumente für schärfere Waffengesetze beziehungsweise ein Waffenverbot

Der Text stammt von unserem Mitglied Balduin

Die vergangenen Amokläufe in den USA haben gezeigt, dass das amerikanische Waffenrecht unbedingt verschärft werden muss. Ein finales Waffenverbot (bzw. eine Verschärfung der derzeit geltenden Gesetze) ist ein Schritt auf dem Weg zu einer sichereren Gesellschaft in den Staaten.

Ein Waffenverbot könnte präventiv wirken – der Mörder von Newton hat die Schusswaffen seiner Mutter (einer Waffennärrin und selbst Opfer des Täters) verwendet, ein weiterer Amokläufer letzte Woche die Waffe seines Bruders. Muss der Täter zuerst einige Anstrengungen unternehmen, um eine Waffe zu erhalten, wird eine weitere Schwelle zur Ausführung der Tat geschaffen. So wollte beispielsweise der Schütze von Newton eine Waffe erwerben – die Wartezeit, die gesetzlich vorgeschrieben ist, hat ihn davon abgehalten.

Wir schreiben das Jahr 2013 und befinden uns nicht mehr im Wilden Westen

Auch kann mit einer (schrittweisen) Verschärfung des Waffenrechts hin zu einem Waffenverbot die in den Köpfen der Amerikaner verankerte Mentalität, dass eine Waffe lebensnotwendig sei, langsam geändert werden. Wir schreiben das Jahr 2013 und befinden uns nicht mehr im Wilden Westen, als man nur mit einer Feuerwaffe sicher leben konnte. Denn sobald Waffen nicht mehr alltäglich sind (in Supermärkten, Werbung…), ändert sich auch das Denken der Menschen: Wer, wie in Deutschland, oftmals das erste Mal eine scharfe Waffe erst bei der Bundeswehr in die Hand bekommt, denkt über deren Gebrauch und Besitz anders, als ein Amerikaner, der seit seiner Kindheit mit Waffen konfrontiert wurde.

Wilder Westen
Das Tragen von Waffen geht auf die amerikanischen Ursprünge im „Wilden Westen“ zurück.

 

Eine wichtige und wünschenswerte Gesetzesänderung wäre, dass Waffen nicht mehr zu Hause aufbewahrt werden dürfen, sondern in Schützenvereinen, gesicherten Waffenräumen etc. verschlossen werden. Den Schießsport kann man so reglementieren – und allein zu diesem Sport (nebst Jagd…) sollte der private Waffenbesitz erlaubt sein.

Eine schnelle Umsetzung der Verschärfung der Waffengesetze kann vor allem Leben retten: Nachahmer sind nach Amokläufen, bedingt durch die enorme mediale Berichterstattung, häufig.

Der Einwand, dass Amokläufer bei einem Waffenverbot eben andere Waffen verwenden würden, schlägt fehl: Neben Waffen bleiben wohl nur noch Messer, Äxte, Sägen u. a. als Mordwerkzeuge. Diese können aber nicht aus Entfernung und so kaltblütig effizient eingesetzt werden. Die Chance, dass der Täter überwunden werden kann, ist deutlich höher.

Dass die Entscheidungen, die die Obama-Administration bei diesem Thema treffen muss, nicht sehr populär sein werden, ändert nichts daran, dass ein Waffenverbot das einzig Richtige ist.

 

2. Argumente gegen schärfere Waffengesetze beziehungsweise ein Waffenverbot

Der Text stammt von unserem Mitglied Barbarossa

Der zweite Verfassungszusatz (Second Amendment) vom 15. Dezember 1791 garantiert auf US-Bundesebene den Besitz und das Tragen von Schusswaffen. Wörtlich lautet das Gesetz (auf Deutsch übersetzt):

„Da eine wohl organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“

Dieser Artikel ist jedoch so wage formuliert, dass selbst verschiedene Gerichte in den USA schon zu unterschiedlichen Urteilen kamen. Die meisten US-Bürger leiten für sich daraus das Recht ab, Waffen besitzen und diese auch tragen zu dürfen.

Gerade in der letzten Zeit wurden erschütternde Ereignisse in den Medien öffentlich gemacht, durch die dieses Bürgerrecht in den USA verstärkt in Frage gestellt wird. Wir erinnern uns besonders an:

  • 14.12.2012: Ein 20 Jahre alter Mann erschießt in einer Grundschule in Connecticut 26 Menschen, darunter 20 Kinder. Zuvor erschoss er auch seine eigene Mutter, der die Tatwaffen gehörten (ein halbautomatisches Sturmgewehr und zwei Pistolen).
  • 10.01.2013: Ein 16 Jahre alter Schüler schoss einen gleichaltrigen Mitschüler an und verletzte zudem einen Lehrer. Diese Tat ereignete sich in einer kalifornischen Schule und wurde mit einer Schrotflinte begangen.

Diese Ereignisse lösten in den USA eine kontroverse Diskussion um das bestehende Waffenrecht aus. Die US-Regierung denkt über eine Verschärfung des Waffenrechts nach – die sogenannte „Waffenlobby“ spricht sich dagegen für mehr Waffen auch an Schulen aus, damit diese sich gegen Amokläufer notfalls auch mit Waffengewalt selbst schützen können. Die US-Bürger wiederum reagierten bereits auf die bloße Ankündigung, dass eine Einschränkung des Waffenrechts geplant sei, mit einem verstärkten Kauf von Waffen – viele deckten sich also noch schnell mit Waffen ein, Lehrer nehmen Schießunterricht.

Das zeigt, dass eine Einschränkung oder gar Abschaffung des verfassungsmäßig verbrieften Rechts auf den Besitz und das Tragen von Waffen bei vielen US-Bürgern keine Akzeptanz finden wird. Ein Verbot macht aber nur dann einen Sinn, wenn ein Großteil der Bevölkerung ein Einsehen hat, dass das Verbot sinnvoll ist. Das scheint mir bei einem Waffenverbot in den USA nicht der Fall zu sein.

In der US-Geschichte gibt es bereits ein Beispiel für ein erfolgloses Verbot: Die Prohibition. Wir erinnern uns: Die Prohibition (1919-1933) ist nicht nur einfach fehlgeschlagen, weil sie von der Bevölkerung unterlaufen wurde – nein, durch die Prohibition erlebte überdies noch das organisierte Verbrechen (z. B. unter Al Capone) einen großen Aufschwung. Dieses Verbot war wohl das erfolgloseste und zugleich fatalste in der US-Geschichte.

Zudem sehe ich ein Waffenverbot für Privatpersonen ohnehin nur als ein „Herumdoktern“ an den Symptomen an, ohne die tatsächlichen Ursachen zu bekämpfen. Solche Rufe nach einem Verbot lenken von den wirklich wichtigen Fragen ab – was in meinen Augen überdies noch besonders fatal ist. Denn die entscheidenden (und damit wichtigen) Fragen sind:

  1. Was ist mit den Amokläufern los? Hier müssen Psychologen eine Antwort geben! Denn: Bei einem Amoklauf brennen bei einem Menschen buchstäblich „alle Sicherungen durch“ – und das muß psychologische Gründe haben. In diesem Zusammenhang:
  2. Bestehen die Ursachen (eventuell im sozialen Umeld), die zu dem Amoklauf geführt haben vielleicht immer noch? Damit
  3. Besteht damit möglicherweise die Gefahr eines Amoklaufes (o.ä.) einer weiteren Person? Und:
  4. erscheint es mir dringend notwendig, dass die Gesellschaft sofort reagiert, wenn sich bei Menschen Auffälligkeiten zeigen. Gerade auch hierüber sollte es eine innergesellschaftliche Diskussion geben.

Das sind für mich die wichtigen Fragen. Alles andere sind für mich Pseudo-Diskussionen, die vom tatsächlichen Problem – den Menschen und ihren Problemen – ablenken. Denn ich gehe fest davon aus: Selbst wenn wirklich niemand an eine Schusswaffe kommen könnte (legal oder illegal), würden Attentäter/Amokläufer weiterhin solche Taten begehen. Es würden dann nur einfach andere Gegenstände als Waffen zum Einsatz kommen oder eben illegal besorgte Schusswaffen. Andererseits wird selbst eine geladene Schusswaffe, die auf einem Tisch liegt, erst dann gefährlich, wenn sie ein ungeübter, ein psychisch labiler Mensch oder ein Straftäter in die Hand nimmt. Genau hier muß mit bestimmten Maßnahmen angesetzt werden.

Nicht die Waffen sind das Problem, sondern Menschen, die nicht sachgerecht mit Waffen umgehen können oder sie für Straftaten benutzen wollen. Nichts würde sich selbst bei einem totalen Waffenverbot ändern, wenn niemand die wirklichen Ursachen für solche Taten angeht. Und die wirklichen Usachen sind psychisch labile Menschen, die die Hilfe der Gesellschaft benötigen.

 

3. Mehr Informationen zu den Waffengesetzen in den USA