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Was haben Fußball und AKW-Laufzeiten gemeinsam? Verlängerungen erhitzen die Gemüter. 10 Jahre ist es bereits her, dass rot-grün den Atomausstieg im Einvernehmen mit der Energiewirtschaft beschlossen hat. Ungefähr um das Jahr 2020 herum sollte auch das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet sein. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Denn nun hat sich – quasi pünktlich zur Halbzeit – Angela Merkel geäußert. 10-15 Jahre mehr können es ruhig sein. Das sei “fachlich vernünftig“. Bestätigt fühlt sie sich durch ein möglicherweise nicht ganz unabhängiges Gutachten, in dem die Rolle der Energiekonzerne zumindest zweifelhaft erscheint.

Eines ist sicher: Die Lobbyisten haben einen grandiosen Sieg eingefahren. Atommeiler können nun deutlich länger am Netz bleiben als bisher geplant. Der Atomstrom soll neben der Kohle als Brückentechnologie dienen, bis eine flächendeckende Versorgung mit alternativen Energien möglich ist. Dabei sind beide Arten der Energieerzeugung von Vorvorgestern. Auch für die Kohle brauchen wir angesichts klimapolitischer Ziele einen Ausstiegsplan. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Aktionismus

Richtig ist, dass wir (Stand heute) nicht ohne weiteres auf die konventionelle Energieerzeugung verzichten können. Insofern macht ein dogmatisch festgelegtes Ausstiegsdatum auch nicht in jedem Fall Sinn. Eher unverständlich ist es jedoch, dass man ungefähr 12 Jahre vor dem Tag X eine großzügige Laufzeitverlängerung in Aussicht stellt. Angesichts eines stetigen und starken Wachstums von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft und geplanten Großprojekten wie “Desertec” erscheint dieses Vorhaben mehr als nur vorschnell.

Sinniger wäre es gewesen, in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob und bis wann Atomkraftwerke noch benötigt werden. Moderate Laufzeitverlängerungen hätten dann bei Bedarf immer noch verhandelt werden können. Jetzt schon einen Freifahrtschein auszustellen hat den Charakter eines von der Energielobby forcierten Aktionismus. Ohne Not hält man an einer Technologie fest, die zwar auf den ersten Blick sicher erscheint (und grundsätzlich wohl auch ist) aber bei einem Zwischenfall verheerende Konsequenzen für Mensch und Umwelt haben könnte.

Und das Ende vom Lied?

Ach ja, sollte rot-grün aus der nächsten Bundestagswahl als Sieger hervorgehen, dann würden wir eventuell die Rücknahme der Laufzeitverlängerung erleben. Und wer weiß schon, wie vier weitere Jahre später eine andere Regierung die Lage beurteilt?! Ein schlüssiges Energiekonzept für eine der führenden Volkswirtschaften der Welt sieht jedenfalls anders aus. Der Schlusspfiff könnte aber auch aus Karlsruhe ertönen. Für den Fall, dass die Zustimmung des Bundesrates nicht eingeholt wird, haben SPD und Grüne bereits eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt.

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