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Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg soll in seiner Doktorarbeit “geschummelt” haben. Einige Passagen, die er als seine eigenen Formulierungen ausgegeben hat, waren bereits Jahre zuvor (fast) wortwörtlich in der FAZ bzw. NZZ erschienen. Die Öffentlichkeit hat Lunte gerochen – und schon tauchen weitere fragwürdige Textstellen auf. Der Vorwurf klingt ungeheuerlich – aber er scheint sich zumindest auf den ersten Blick zu bewahrheiten.

Als Student würde man “fliegen”

Wie auch immer er darauf reagieren wird: Zu Guttenberg ist beschädigt. Dabei spielt es auch prinzipiell keine Rolle, ob er es intellektuell nötig hat, fremde Texte als sein geistiges Eigentum auszugeben. Dieses Vorgehen ist nicht einfach nur “unschön”, sondern eine grobe Verletzung wissenschaftlicher Standards. Jeder Student im ersten Semester bekommt indoktriniert, dass man in Seminararbeiten Quellen bzw. Zitate auch als solche zu kennzeichnen hat. Zuwiderhandlung kann in manchen Fällen gar mit Ausschluss von der Universität bestraft werden. Insofern wäre es ein verheerendes Signal, über zu Guttenbergs “Methode” einfach so zu hinwegzusehen.

Steiler Aufstieg – steiler Fall?

Dabei hätte seine Karriere bisher nicht steiler verlaufen können. Als Politstar wurde er bereits gefeiert, obwohl er der großen Masse noch bis vor wenigen Jahren vollkommen unbekannt war. Viele sehen in ihm den kommenden bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden zugleich. Die Kanzlerkandidatur in der Zeit nach Angela Merkel galt für seine Anhänger bereits als logische Konsequenz. Wer sonst sollte ihm das Wasser reichen können? Es ist seine Art und Weise, mit der er auch im Volk punkten konnte: Ehrlich, direkt, gradlinig, ohne Umschweife – so wurde er bisweilen wahrgenommen. Selbst vermeintliche “Skandale” (Kundus, Gorch Fock) sollten seinem Ansehen keinen Schaden zufügen können. Doch dieser Nimbus scheint nun verbraucht.

Eine Ausrede fällt wohl schwer

Grundsätzlich sollte man natürlich von jeder Art der Vorverurteilung absehen. Die Universität Bayreuth, bei der die Doktorarbeit zur Prüfung vorliegt, sollte dazu in der Lage sein festzustellen, ob hier ein Plagiat vorliegt oder nicht. Der Ausgang dieses Verfahrens, in dem ihm die Aberkennung seines Doktortitels droht, ist jedoch nicht unbedingt relevant. Jeder Bürger mit Internetanschluss kann sich die entsprechenden Textpassagen im Netz bei diversen Nachrichtenportalen ansehen und vergleichen. Man muss schon ein glühender Anhänger seiner Person sein, wenn man die offensichtlich kopierten Passagen nicht erkennt.

Schade, KTG!

Welche Konsequenzen nun drohen? Die Debatte über seine Doktorarbeit wird nicht nur ihm selbst Schaden zufügen. Ausgerechnet der auserkorene Hoffnungsträger wird indirekt als Betrüger hingestellt. Das wird zu Guttenberg einerseits politisch nur schwerlich überleben können. Es wird andererseits aber auch den im Volk bestehenden Eindruck verstärken, dass man Politikern einfach nicht trauen kann. Schade, dass sich ausgerechnet zu Guttenberg in diese Reihe einfügt.

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