Nach der Gründung der Bundeswehr in der Bundesrepublik wurde 1956 die allgemeine Wehrpflicht für alle volljährigen deutschen Männer eingeführt. In der Hochphase des Kalten Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und dem Sowjetreich war dies ein notwendiger Schritt. Deutschland wäre Schauplatz eines Krieges gewesen – nicht umsonst gaben die USA das Versprechen Westdeutschland um jeden Preis zu verteidigen. Eingezogene junge Männer wuchsen im Wissen auf, dass ein Krieg jederzeit möglich ist und sie möglicherweise ihr Leben für die Verteidigung der Bundesrepublik lassen müssen.

Nach der Wiedervereinigung war einer der größten Konflikte unserer Geschichte gelöst – doch an der Praxis der Wehrpflicht änderte sich wenig. Natürlich musste nicht Dienst an der Waffe geleistet werden – das Grundgesetz eröffnete einen Ersatzdienst. Auch die anfänglichen schwierigen Verweigerungsverfahren besserten sich. Dennoch wurden junge Männer, die gerade ihr Abitur abgelegt oder eine Ausbildung abgeschlossen hatten zu einem neunmonatigen Zwangsdienst herangezogen. Dass von Wehrgerechtigkeit keine Rede mehr sein konnte, zeigt eindrucksvoll die immer weiter ansteigende Zahl an Ausgemusterten.

Zwar mag der Zivildienst für die Leistenden selber und für die Gesellschaft einen wichtigen und positiven Beitrag geleistet haben, doch zeigt die hohe Zahl an „FSJlern“ (Freiwilliges Soziales Jahr), dass ein Zwang nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre. Anstatt einer Zwangsverpflichtung hätten mehr Perspektiven und Alternativen geboten werden müssen.

Die Wehrpflicht in unserer heutigen Zeit war veraltet. Ein Krieg innerhalb der Europäischen Union scheint nahezu unmöglich. Vielmehr werden hoch spezialisierte und ausgebildete Einheiten für Friedensmissionen benötigt. Dass die Streitkräfte in Afghanistan über mangelnde Ausrüstung klagen, ist ein Unding. Das deutsche Militär in unserer heutigen globalisierten Welt muss hoch gerüstet, technisiert und spezialisiert sein um kommende Aufgaben bewältigen zu können. Dafür muss die Bundeswehr natürlich attraktiv für junge Männer werden. Dass dies keine leichte Aufgabe ist, zeigt sich derzeit.
Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich dieser Aufgabe gestellt hat und innerparteilich viele Hürden nehmen musste, ist dieser große Verdienst zuzurechnen, auch wenn seine angestoßene Reform gewichtige Mängel vorweißt.