Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton
Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton

Im Geschichte-Wissen Forum wurde angeregt darüber diskutiert, ob die Bevölkerung wissen sollte, was Politiker privat tun. Angestoßen wurde die Diskussion durch die Affäre des französischen Präsidenten Francois Hollande. Dabei hat das Mitglied Karlheinz einen interessanten Beitrag veröffentlicht, den wir gerne wiedergeben möchten:

Mir persönlich ist es völlig egal, was Politiker in ihrer Freizeit machen, sofern es sich nicht um ungesetzliche Dinge handelt.
Allerdings sind Politiker öffentliche Personen und man stellt deshalb höhere Ansprüche an ihre Moral. Deshalb verknüpfen sich Privatleben und Beruf miteinander und es wird davon ausgegangen, dass private Vorfälle auch Einfluss auf die Politik nehmen.

 

Im Folgenden eine Liste der von Karlheinz genannten Skandale:

  • Die Profumo Affäre 1963. Der britische Kriegsminister Profumo unterhielt Beziehungen mit dem Callgirl Christine Keeler. Dies führte zu seinem Sturz, da Keeler kurzfristig auch Beziehungen mit einem sowjetischen Diplomaten unterhielt. Man befürchtete Spionage, was aber nie bewiesen wurde. Profumo wurde Unmoral vorgeworfen
  • Kießling Affäre 1984. Dem Nato Oberbefehlshaber Günter Kießling wurden homosexuelle Beziehungen unterstellt. Man glaubte daher, er wäre deshalb erpressbar und dies führte zu seiner Abdankung. Bewiesen wurde der Vorwurf nicht.
  • Scharping 2001. Während die Bundeswehr einen Einsatz in Mazedonien begann, plantschte er mit seiner Freundin am Swimmingpool. Dies empfand man in dieser Situation für einen Verteidigungsminister als unangemessen und er musste gehen. (Es gab für seinen Abgang noch mehr Gründe).
  • Von Boetticher, CDU Ministerpräsident von Schleswig-Holsten trat vor kurzem zurück, da er Beziehungen zu einer sechzehnjährigen unterhielt. Dies empfand die Öffentlichkeit als ungehörig.
  • Bill Clinton soll im Weißen Haus mit der Praktikantin Lewinsky Oralsex getrieben haben und hat dies später öffentlich bestritten. Ganz offensichtlich aber eine glatte Falschaussage. Da der Vorgang im Weißen Haus passierte, kann man dies nicht mehr als rein privat bezeichnen, auch wenn er dort mit seiner Familie gewohnt hat. Arbeitsplatz und Wohnstätte sind hier identisch, eine klare Trennung ist nicht möglich. Und ein Politiker, der in aller Öffentlichkeit diesen Vorfall bestreitet, also eine glatte Lüge erzählt, wirkt nicht mehr glaubwürdig. Clinton sprach später von einer nicht „angemessenen Beziehung“ zu Lewinsky, nachdem man Ejakulat des Präsidenten auf ihrem Kleid nachgewiesen hatte.
  • Biedenkopf, trat 2002 zurück, da er zu wenig Miete zahlte und bei Ikea Sonderrabatte erhielt.
  • Bei finanziellen Angelegenheiten wird es immer heikel, da Vorteilsnahme gewittert wird, auch wenn es um private Dinge geht: Glogowski, SPD Ministerpräsident von Niedersachsen trat 1999 zurück, da seine Hochzeit teilweise von einer Brauerei bezahlt wurde.
  • Lothar Späth, Rücktritt, weil seine Privatreisen von Geschäftsfreunden bezahlt wurden usw.

Wie man sieht, bei Politikern gibt es keine klare Trennung zwischen Privatleben und Berufsleben. Insofern ist auch ein gewisses Interesse für ihre Privatsphäre vorhanden. Das muss auch jeder wissen, der eine politische Karriere anstrebt und sollte sich dann auch nicht beklagen.