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Was mag es für ein Gefühl der Genugtuung für FDP-Chef Guido Westerwelle gewesen sein. Am Wahlabend des 27. September 2009 hat er sein großes Ziel erreicht. Schwarz-gelb kann in Angriff genommen werden. Und das vor allem dank der FDP, die mit einem herausragenden Ergebnis von 14,6% den Weg dafür entscheidend mit geebnet hat. 11 Jahre Opposition für die Liberalen gehören nun ebenso der Vergangenheit an wie die ungeliebte Große Koalition. Christlich-liberal soll ein Erfolgsmodell werden. So wie einst unter Konrad Adenauer und Helmut Kohl.

Etwas mehr als ein Jahr später machen sich Kritik und Ernüchterung breit. Das Wahlversprechen “Mehr Netto vom Brutto” hat sich durch Abgabenerhöhungen ins Gegenteil verkehrt. Hastig nimmt man nun noch eine Mini-Steuerreform in Angriff, deren Auswirkungen wohl verpuffen werden. Der große Wurf wird wohl erst 2013 folgen – pünktlich vor der nächsten Bundestagswahl. Zwischenzeitlich machten der Vorsitzende Westerwelle und seine FDP mit Negativ-Schlagzeilen von sich reden. Alles begann mit einer fragwürdigen Absenkung der Mehrwertsteuer für das Hotelgewerbe. Ein Zusammenhang mit der Großspende eines Hoteliers wird natürlich nie bewiesen werden können. Ein fader Beigeschmack verbleibt dennoch. Die Aussage “spätrömische Dekadenz” machte zu Jahresbeginn die Runde, was vielen Hartz-IV-Empfängern sicherlich wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen sein muss. Dem nicht genug, klingt das Jahr mit einer internen Angelegenheit aus, die man auch als Skandal bezeichnen könnte. Westerwelles Büroleiter hatte während der Koalitionsverhandlungen im Vorjahr Berichte an den US-amerikanischen Botschafter weitergeleitet.  Dabei geht es gar nicht darum, ob er damit Geheimnisse verraten hat oder nicht. Das Meiste hätte ein jeder halbwegs des Deutschen mächtiger US-Bürger sicherlich auch der Tagespresse entnehmen können. Es geht um das Prinzip, dass eine Vertrauensperson unseres Bundesaußenministers überhaupt auf die Idee kommt, Interna an Außenstehende preiszugeben.

Zu wahren Herzrhythmusstörungen müssten jedoch die aktuellen Umfragen führen. Verschafft man sich einmal einen groben Überblick über die Prognosen in Bund und Ländern, so stehen die Liberalen vornehmlich zwischen drei und sechs Prozent – und somit kurz vor der magischen Fünf-Prozent-Klippe. Wenn nicht bald personelle Konsequenzen an der Parteispitze gezogen werden, so könnte die FDP den größten Absturz ihrer Geschichte erleben.

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