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Als häufiger und von Verspätungen geplagter Bahn-Pendler habe ich es ja eigentlich schon immer geahnt. Doch nun haben wir es schwarz auf weiß. Oder besser gesagt ganz in schwarz. Das nun erschienene “Schwarzbuch Deutsche Bahn” benennt diverse Missstände des sich in staatlicher Hand befindenden Unternehmens. So ist die Zahl sogenannter Langsamfahrstellen aufgrund baufälliger Weichen oder Brücken viel höher als offiziell ausgewiesen. Nach sechs Monaten nehme die Bahn diese Langsamfahrstellen aus der Statistik heraus, und übernimmt sie als längere Fahrtzeit in ihren Fahrplan. Eine durchaus kreative Maßnahme Verspätungen zu vermeiden. Doch das ist noch lange nicht Alles… Ferner ist im Gleisbau von Lohndumping, verbotenen Doppelschichten, 7-Tage-Wochen und dem Einsatz von osteuropäischen Arbeitern ohne enstsprechende Ausbildung die Rede. Für den aufgrund des kürzlichen Wintereinbruches notwendigen Winterdienst sollen ebenfalls osteuropäische Billigarbeiter eingesetzt worden sein. Die Autoren des “Schwarzbuchs”, die ZDF-Journalisten Christian Esser und Astrid Randerath, berufen sich auf Recherchen des gewerkschaftsnahen Vereins Mobifair, der sich für faire Arbeitsbedingungen in der Verkehrsbranche einsetzt.

Jetzt könne man annehmen, der Bahn ginge es finanziell nicht besonders gut. Doch unter das Stichwort “Deutsche Bahn” fallen auch Meldungen, wie jene über ein zu erwartendes Betriebsergebnis i.H.v. 1,4 Milliarden Euro für das Krisenjahr 2009. Dazu sind in naher Zukunft Investitionen in neue Züge sowie diverse Prestigeprojekte (z.B. neuer Hauptbahnhof Stuttgart) in Milliardenhöhe vorgesehen. Aber Deutschland alleine reicht der DEUTSCHEN Bahn ja schon lange nicht mehr. Deshalb möchte man auch noch in die von Pannen und Krisen nur so geschüttelte Betreibergesellschaft des Eurostar (Anm.: Verbindung zwischen England und Frankreich unter dem Ärmelkanal) einsteigen. Die Altgesellschafter werden sich freuen, dass sie so einen Teil ihrer Anteile an einen Dummen loswerden!

Und dies Alles geschieht in einem Unternehmen, dass zu 100% dem deutschen Staat gehört. Vielleicht wäre es einmal an der Zeit, dass die Bundesregierung der Bahn etwas mehr auf die Finger schaut. Schließlich steht sogar im Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet… Ein Grund mehr, einen Börsengang endgültig abzusagen. Obwohl – wer möchte überhaupt Aktien eines solchen Unternehmens zeichnen?!

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