Charles Darwin aged 51Menschen und Bonobos (Zwergschimpansen) treiben Sex nicht nur zur Fortpflanzung, sondern auch, um Versöhnungen zu feiern oder einfach, weil´s so schön ist. Das Nachtprogramm mancher Fernsehsender wäre für Bonobos die reinste Sexualerziehung: Gruppensex, Face-to-face oder Doggie Style – Sex und Selbstbefriedigung ist bei ihnen gang und gäbe.

 

Schon bei der Werbung um das andere Geschlecht beginnen die Gemeinsamkeiten:

Bei beiden Arten kann der Anstoß sowohl von der weiblichen als auch der männlichen Seite kommen.

Man stelle sich folgende Szene vor: Eine Frau umgarnt den Auserwählten, scharwenzelt um ihn herum, wirft ihm schmachtende Blicke zu und lässt ihn den ersten Schritt tun. Hat er angebissen, lässt sie ihn zuerst ein bisschen leiden, um sich ihm dann hinzugeben.

War jetzt von Schimpansen oder von Menschen die Rede? Von beiden!

Auch die Männer benehmen sich scheinbar überall ähnlich. Welchen Unterschied macht es, ob sich ein menschlicher Beau an der Bar neben einem weiblichen Wesen aufbaut, den Oberkörper bläht und der Dame einen Drink spendiert, oder ob ein Schimpanse junge Bäume umbiegt, vor der Auserwählten einen Streit mit einem unschuldigen Passanten beginnt – immer darauf bedacht, dass die Holde es auch ja sieht – und zuletzt zum Rendezvous ein paar Früchte mitbringt? Immer ist der Mann darauf bedacht, der Schönen zu zeigen, wie stark, mutig und großzügig er ist.

 

Wichtig bei den Schimpansen ist dabei, dass die Früchte REIF sind. Denn nicht nur Menschen stehen auf Süßes, auch Affen. Und welche Frau hat es gern, wenn das Mitbringsel aus einem Schnitzel statt Pralinen besteht? Auch Adam ließ sich von einem reifen, süßen Apfel verführen.

 

Bei den Bonobos herrschen die Frauen. Wird deswegen eine neue Nahrungsquelle entdeckt, stürmen zuerst die Männer heran und stopfen sich hastig die Backen voll, denn wenn erst die Frauen auf dem Plan erschienen sind, haben sie keine Chance mehr. Sie werden vertrieben und dürfen erst wieder an die Tafel, wenn die Damen satt sind.

 

Die Liebe und der Krieg haben einiges gemeinsam – in beiden ist angeblich alles erlaubt. Kein Wunder, dass Schimpansen ähnlich geschickt im Kriegführen sind wie wir Menschen. Hat z.B. ein fremder Schimpanse die Reviergrenzen überschritten und die eigenen Spione das in die Zentrale gemeldet, wird zuerst Kriegsrat gehalten, dann marschiert die kämpfende Truppe auf. Der Gegner wird umzingelt und mit zahlenmäßiger und technischer Überlegenheit – als Waffen dienen Knüppel und Steine – überwältigt. Oft wird der Besiegte dabei auch getötet, manchmal sogar aufgefressen. Totaler Krieg.

 

Auch wenn sich zwei Männer streiten, läuft das meist nach einem bestimmten Ritual ab:

Zuerst wird mit Worten gekämpft. Hin und her fliegen die Argumente, immer lauter wird der Tonfall. Schließlich hält es die Kontrahenten nicht mehr im Sitzen, sie stehen auf und bauen sich voreinander auf. Erst wird versucht, den anderen einzuschüchtern, ihm zu zeigen, dass er eh keine Chance hat, weil man selber der Größere ist. Hat das nicht gewirkt, werden die beiden handgreiflich. Sie stoßen und rempeln sich, schließlich wird geschlagen und gerungen, bis einer am Boden liegt oder die Flucht ergreift.

Schimpanse und Mensch gleichen sich dabei in frappierender Art und Weise.

 

Gefährlich kann´s auch werden, wenn einem Schimpansen langweilig ist. Dann sitzt man untätig herum, starrt Löcher in die Luft und weiß nicht, was mit der Zeit anzufangen sein könnte. Hoch willkommen sind dann Passanten, die vorübergehen. Hat einer davon den Sicherheitsabstand zum eigenen Standort nicht eingehalten? Hat er komisch geguckt? Oder hat er einen besonderen Leckerbissen, den man selber haben möchte? Schnell aufgestanden und den Unschuldigen angequatscht oder gerempelt. Wie, er weiß von nichts? Will er mich etwa für dumm verkaufen? Was soll das? Und schon ist die schönste Rauferei im Gange und der langweilige Nachmittag plötzlich gar nicht mehr langweilig. Und irgendwie kommt einem dieses Szenario auch aus der Menschenwelt bekannt vor…

 

Tarnen und Täuschen – nicht nur beim Militär der Menschen, auch bei den Schimpansen üblich. Forscher beobachteten einen jungen Affen, der eine leckere Wurzel entdeckt hatte. Er war aber nicht stark genug, sie auch auszugraben. Also machte er einen Älteren auf den Leckerbissen aufmerksam. Der fing sofort an zu graben. Aber als er fast fertig war, schrie der Kleine plötzlich wie am Spieß. Seine Mutter wurde aufmerksam, glaubte der Ältere misshandele ihr Kind und stürmte heran. Der ältere Schimpanse wusste nicht, wie ihm geschah, als aus dem Nichts ein Hagel von Schlägen auf ihn einprasselte und ergriff die Flucht, die wütende Mutter hinterher. Der Kleine jedoch grub die Wurzel fertig aus und verspeiste sie genüsslich.

 

Nicht nur Waffen verwenden die Schimpansen, auch Werkzeuge. Nüsse werden geknackt, indem sie auf einen Amboss gelegt werden und mit einem Hammer aus Stein oder aus einem Ast darauf geschlagen wird – wohldosiert, weil sonst von der Nuss nur Mehl übrigbleibt.

 

Sogar Medizin kennen die Schimpansen:

Sie verordnen sich bei Krankheit das bittere Mark bestimmter Pflanzen, und bei Mineralienmangel lecken sie an Steinen – natürlichen Magnesium- oder Kaliumkapseln.

 

Da klingt die Nachricht von Wissenschaftlern, das Schimpansen-Genom unterscheide sich nur in wenigen Prozent von der menschlichen Erbmasse, gar nicht mehr so überraschend…