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Doppelspitzen sind nicht zwingend das Nonplusultra in einer Parteiführung. Nur weil es bei den Grünen halbwegs ordentlich funktioniert, lässt es sich nicht ohne Weiteres kopieren. Diese Erfahrung machen zurzeit die Linken, deren Parteispitze Ernst-Lötzsch man getrost als Totalausfall bezeichnen kann. Abgucken alleine reicht nun einmal nicht aus. Auch das Personal muss stimmen. Insofern fragt man sich, nach welchen Kriterien die beiden Co-Vorsitzenden eigentlich ausgewählt worden sind? Augenscheinlich ging es wohl nur darum, einen „Ossi“ und einen „Wessi“ einzusetzen…

Klaus Ernst

Da wäre auf der einen Seite Klaus Ernst, ehemaliger Gewerkschaftsfunktionär in Bayern, früher Mitglied der SPD, später Mitinitiator der WASG, einem der beiden Vorläufer der Linkspartei. Ob er bei den Sozialdemokraten jemals zu einer großen Nummer geworden wäre, darf man anzweifeln. Nun ist er bei den Linken ganz oben angekommen – dort, wo die Luft allmählich ziemlich dünn wird. Daran kann auch sein allzeit gut gelaunt erscheinendes Gemüt nichts ändern. Sein Problem besteht vornehmlich darin, dass er seinen „Laden“ nicht vollends im Griff hat und er innerparteilich seit Beginn an nicht unumstritten ist. Dass er gerne Porsche fährt und diversen anderen kapitalistischen Annehmlichkeiten frönt, mag eine Rolle spielen, ist aber letztendlich Nebensache. Ein Linker muss nicht arm sein und darf auch viel Geld verdienen. Das Thema kam zwar immer wieder in den Medien auf, war aber so lange keine große Sache, wie sich seine Genossin und Co-Vorsitzende Gesine Lötzsch halbwegs unbeschadet hielt. Doch diese Zeiten sind nun auch vorbei…

Gesine Lötzsch

Viele Klagen über sie gab es bis vor kurzem nicht. Doch ihre Ausführungen, über wie auch immer geartete Wege hin zu einem wie auch immer ausgeprägten Kommunismus, haben sie fast irreparabel beschädigt. Sicher, der Kalte Krieg ist vorbei und vielleicht wollte sie damit auch nur die Seele der ewig gestrigen in ihrer Partei ein wenig streicheln. Dass ihre Aussagen aber auch abseits der Linken Gehör finden werden, wusste sie vorab. Wer das Wort „Kommunismus“ in den Raum wirft muss damit rechnen, dass er in der Luft zerrissen wird. Die Verbrechen zu nennen, die im Namen dieser Ideologie begangen wurden, würde den Rahmen sprengen. Es spielt auch keine große Rolle, ob ihr Ehemann mehr Täter oder Opfer des DDR-Regimes war. Es geht rein darum, wie die Parteiführung der Linken, und somit auch die Partei als Ganzes, zum Kommunismus steht und wie sie sich eine zukünftige Wirtschafts- und Gesellschaftsform vorstellt. Kommunismus? Demokratischer Sozialismus? Oder doch etwas ganz anderes?

Fazit

20 Jahre gemeinsame deutsche Geschichte haben auch Die Linke verändert. Mit der Entstehung dieser Partei aus ostdeutscher PDS und westdeutscher WASG sollte eine gesamtdeutsche Linke geschaffen werden, die nicht mehr vornehmlich mit dem alten Muff der SED behaftet ist. Man konnte bis vor einiger Zeit getrost behaupten, dass man in dieser Beziehung auf einem guten Weg ist. Selbst im Westen war es keine Überraschung mehr sondern eine Normalität, wenn die Linke den Einzug in einen Landtag geschafft hat. Nun aber, und das ausgerechnet im Superwahljahr 2011, zwingt man sich selbstverschuldet eine schädliche Debatte auf, die längst ausdiskutiert erschien. Es würde mich wundern, wenn am Jahresende noch beide Vorsitzende am linken Ruder sitzen würden.

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