Die Vorstellung vom „geistigen Eigentum“ ist in unserer Gesellschaft inzwischen so fest verankert, dass die meisten Menschen es als selbstverständlich anerkennen. Ein Grund für mich das Konzept des „geistigen Eigentums“ einmal zu kommentieren.

 

Wenn ich eine Idee habe und nicht möchte, dass sie jemand anderes anwendet oder umsetzt, muss ich sie für mich behalten. Denn sobald ich sie ausspreche, ist sie bekannt. Hier beginnt das Dilemma der Schöpfer von Inhalten. Ein Geschichtenerzähler, der seine Geschichten nicht erzählt, ist schließlich keiner. Ein Musiker, der seine Musik nicht spielt, kann mit ihr kein Geld verdienen.

An dieser Stelle setzt das Urheberrecht an. Man gewährt dem Urheber für eine gewisse Zeit das alleinige Recht, seine Idee „auszunutzen“ bzw. davon zu profitieren. Auf diese Weise sollen Kreativität und Fortschritt in der Wissenschaft und den Künsten gefördert werden. Es wird hierbei davon ausgegangen, dass mehr Menschen eine Motivation haben, etwas zu erfinden oder zu erschaffen, wenn sie daraus Profit schlagen können. Denn nur, wenn der Urheber das exklusive Verwertungsrecht an seiner Idee bzw. seinem Werk hat, kann er davon profitieren. Schließlich kann er seine Idee, einmal ausgesprochen, nicht mehr kontrollieren und somit wegschließen wie ein Gemälde, zerstören wie eine Skulptur oder zurückverlangen wie ein ausgeliehenes Buch. Auch Thomas Jefferson erkannte dies und schrieb:

Er, der eine Idee von mir erhält, erhält selbst eine Anleitung ohne meine zu vermindern; so wie jener, der seine Leuchtkerze an meiner entzündet Licht empfängt, ohne meines zu verdunkeln. Dass Ideen sich frei ausbreiten sollten von einem zum anderen über den Globus hinweg, zur moralischen und gegenseitigen Belehrung des Menschen und zur Verbesserung seiner Situation, scheint von der Natur besonders und wohlwollend geplant worden zu sein, als sie sie (Ideen) machte wie Feuer, expandierbar über alle Flächen ohne deren Dichte in irgendeiner Form zu verringern, und wie die Luft in welcher wir atmen, uns bewegen und unser physischen Dasein haben, unfähig zur Einschränkung oder alleinigen Aneignung. Erfindungen können demnach in der Natur nicht Besitzgegenstand sein. (Anm: Übersetzung von mir)

Heutzutage wird es mit der ursprünglich beabsichtigten Motivation offenbar eher umgekehrt gesehen; nämlich indem man annimmt, dass die meisten Menschen keine Motivation haben, etwas zu erfinden oder zu erschaffen, wenn sie daraus keinen Profit schlagen können.

Nun finde ich zum einen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man glaubt, mit dem Versprechen auf exklusive Rechte an Profit mehr Menschen zu ermutigen etwas zu erfinden oder zu erschaffen, oder ob man davon ausgeht, dass es ohne dieses exklusive Recht kaum noch Erfindungen und kreative Werke gäbe. Der erste Ansatz will schließlich einen Anreiz schaffen für Kreativität, der zweite Ansatz will Kreativität schützen und damit unweigerlich kontrollieren.

Hier weicht meine Meinung entschieden von der gängigen Auffassung ab und ich bin überzeugt, dass es noch andere Gründe gibt, etwas zu dichten, erdenken oder komponieren, als Profit. Auch denke ich, Kreativität braucht diese Art von Anreiz oder Schutz gar nicht und es wurden und werden auch und vor allem aus anderen Gründen Geschichten geschrieben und Lieder komponiert als aus Profitgier.

Zum anderen schützt das Urheberrecht inzwischen vor allem den Rechteinhaber, welcher nicht unbedingt auch der Urheber des entsprechenden Werkes sein muss. Ihr Glück war bisher, dass Inhalte nur an den Konsumenten gelangen konnten, indem sie an etwas materielles gebunden wurden (z.B. Ein Buch, eine CD, eine VHS etc.). Doch dann wurde alles digital und der Konsument war auf CDs, Bücher und Videokassetten nicht mehr angewiesen. Man konnte Inhalte plötzlich in Form von MP3, Avi und PDF konsumieren. Diese sind nicht fassbar, immateriell und somit völlig ohne Kosten und großen Aufwand unendlich oft zu vervielfältigen.

Wie Feuer eben.

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