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Wie sehr unser Land von parteipolitischem Gezänk geprägt ist, das ist bisher wohl nur wenigen Menschen verborgen geblieben. Mit geradezu reflexartigen Reaktionen werden die Vorschläge der einen Seite i.d.R. von der anderen Seite bekämpft. Sicher ist dieses eines unserer Hauptprobleme, die Reformen und Verbesserungen an vielen Stellen verhindern. Ein Paradebeispiel ist sicherlich die Gesundheitsreform, bei der sich mit “Gesundheitsprämie” und “Bürgerversicherung” fast schon ideologische Gegensätze aufgebaut haben. Warum man es über Jahrzehnte hinweg nicht schafft, eine gute und parteiübergreifende Lösung für das Gesundheitswesen zu finden, mit der beide politischen Lager leben können, ist mir unverständlich.

Das falsche Parteibuch führt nun auch im Bundeskabinett zu Unmut. Ja, richtig gehört, im Bundeskabinett, dass ausschließlich aus Ministerinnen und Ministern von Union und FDP besteht. Betroffen ist Jörg Asmussen, der sozialdemokratische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Asmussen soll Bundesminister Wolfgang Schäuble während seiner krankheitsbedingten Abwesenheit bei internationalen Finanzangelegenheiten vertreten. Schäuble hatte Asmussen bei der schwarz-gelben Regierungsübernahme im Amt belassen – und das trotz Asmussens SPD-Mitgliedschaft. Er wird seine Gründe gehabt haben. Vielleicht schätzt er seinen Stellvertreter, sei es menschlich und / oder fachlich.

Traurig ist es irgendwie schon, dass man Asmussen nur über das Parteibuch definiert. Er wird bei internationalen Treffen wohl kaum schwarz-gelbe Positionen zum Ausverkauf stellen. Als Vertreter der Bundesregierung wird er ganz im Sinne von Merkel und Schäuble auftreten.

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