By Irish Defence Forces [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons
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Immer mehr Flüchtlinge in Afrika und dem Nahen Osten verlassen ihre Heimat und immer mehr von ihnen versuchen, nach Europa zu gelangen, wo sie sich ein besseres Leben erhoffen. Dabei bedienen sie sich oft dubioser „Schlepper“, also Leuten, die den Flüchtlingen für viel Geld eine sichere Passage nach Europa versprechen. Viele kommen so in meist völlig überfüllten Booten über das Mittelmeer – immer mehr Boote sinken dabei und immer mehr Flüchtlinge finden dabei den Tod.
Doch woher kommen diese Flüchtlinge und warum verlassen sie ihre Heimat?

Es gibt dazu Statistiken, die einen Überblick über die Herkunft und die Motive erlauben, warum die Menschen derzeit ihre Heimat verlassen:

Es ist dabei festzustellen, dass die Anzahl der Flüchtlinge, die Europa über das Mittelmeer zu erreichen versuchen, stark schwankt. So kamen 2010 nur etwa 10.000 Menschen über das Mittelmeer, 2011 – auf dem Höhepunkt des „Arabischen Frühlings“ waren es hingegen rund 70.000 Menschen. 2012 sank die Zahl auf etwa 22.000 – 2013 stieg die Zahl dann wieder auf 60.000, um dann 2014 geradezu auf mehr als 218.000 zu explodieren. Für 2015 rechnet die EU-Grenzschutzagentur Frontex mit zwischen 500.000 bis 1 Mill. Menschen.

Im vergangenen Jahr (2014) bildeten dabei die Syrer (mit etwa 70.000 Menschen) die weitaus größte Gruppe, die auf verschiedenen Routen über das Mittelmeer kamen – in diesem Fall also Bürgerkriegsflüchtlinge.
Aus dem autoritär regierten Eritrea kam mit über 33.000 Menschen die zweitgrößte Gruppe von Flüchtlingen, dicht gefolgt von Menschen, die aus der Sub-Shara-Zone (über 26.000) das Mittelmeer zu überqueren versuchten. Eine ebenfalls noch recht große Gruppe, die über eine östliche Mittelmeerroute nach Europa kamen, bildeten mit über 12.000 Menschen die Afghanen.
Weitere Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr aus Ländern, wie Somalia (über 1.600), Kamerun (1.400), Algerien (fast 900), Mali (knapp 900) und weitere Flüchtlinge aus Marokko, Guinea und Senegal (zusammen etwas über 100).
Von den über 218.000 Füchtlingen im letzten Jahr ertranken laut der UNO etwa 3.500.

Doch die Zusammensetzung der Flüchtlingsströme ändert sich schnell. So kamen 2015 bisher die meisten Flüchtlinge nicht mehr aus Syrien (Syrien ist dabei auch nicht mehr unter den drei ersten Herkunftsländern), sondern aus Ländern wie Gambia, Somalia und dem Senegal.
Bereits im Laufe dieses Jahres (Jan.-April 2015) sind schon etwa 1.600 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken.

Die Statisik zeigt, einer der Hauptgründe aus der Heimat zu fliehen, sind natürlich Kriege bzw. Bürgerkriege. Damit liegt es auch im Interesse Europas, die Kriege bzw. Bürgerkriege in den Ländern so rasch wie möglich zu beenden.
Aber schon das nächstwichtigste Motiv für Menschen, die Heimat zu verlassen, ist wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, die aber auch wieder Bürgerkriege auslösen kann. Im Jahre 2014 waren das Menschen aus Ländern der Sub-Shara-Zone sowie aus Kamerun, Algerien, Marokko, Guinea und Senegal – zusammen immerhin beinahe 30.000 Menschen.

Beim EU-Gipfel am 23. April 2015 in Brüssel wurde als Reaktion auf die Flüchtlingskatastrophe eine Reihe von Maßnahmen beschlossen:

Mehr Präsenz auf See: Die finanziellen Mittel für die Grenzschutzmissionen „Triton“ und „Poseidon“ im Mittelmeer sollen mindestens verdreifacht werden, was die Kapazität erhöht, um Flüchtlinge in Seenot zu retten.

Vorgehen gegen Schleuser: Die EU will den Kampf gegen Menschenschmuggler verstärken. So soll die europäische Polizeibehörde Europol auch im Internet Werbung von Schleppern aufspüren um dafür zu sorgen, dass solche Inhalte entfernt werden.

Zerstörung von Schiffen: Schiffe der Schleuser sollen ausfindig gemacht, beschlagnahmt und zerstört werden, noch bevor diese sie für ihre Aktivitäten nutzen können. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini soll sofort damit beginnen, eine mögliche Militäroperation vorzubereiten. Zugleich wollen sich Frankreich und Großbritannien um ein UN-Mandat dafür bemühen.

Illegale Flüchtlinge stoppen: Afrikanische Staaten wie Tunesien, Ägypten, Sudan, Mali oder Niger sollen bei der Kontrolle ihrer Landesgrenzen internationale Unterstützung bekommen. Dadurch soll es Flüchtlinge erschwert werden, ans Mittelmeer zu gelangen.

Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten: Gemeinsam mit den Herkunftsländern will die EU die Fluchtursachen bekämpfen und gegen Schleuser vorgehen. Dazu soll in den kommenden Monaten auf Malta ein gemeinsamer Gipfel der EU, der Afrikanischen Union (AU) und anderer Schlüsselländer stattfinden.

Schnelle Abschiebung: Illegale Einwanderer sollen rasch wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden. Die Grenzschutzorganisation Frontex soll ein neues Rückkehr-Programm für illegale Immigranten koordinieren.

Notsituationen: Die Länder im Süden Europas sollen mehr Unterstützung bekommen. Dazu soll geprüft werden, wie EU-Staaten in dringenden Notsituationen freiwillig Flüchtlinge aus anderen Mitgliedsstaaten aufnehmen könnten. Für die Verteilung anerkannter Flüchtlinge ist ein Pilotprojekt geplant.

Hilfe bei der Verwaltung: Teams des „Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen“ (EASO) sollen europäischen Mittelmeerländern bei der Registrierung von Flüchtlingen sowie bei der Abnahme von Fingerabdrücken und der Bearbeitung von Asylanträgen unterstützen.

 

Somalisches-Flüchtlingsboot-im-Indischen-Ozean

Wenn man nur darüber diskutiert, wie man vorhandene Flüchtlingsströme aufzuhalten gedenkt oder gerechter verteilt, dann ist das lediglich ein herumdoktern an den Symptomen. Ein immer größer werdender Flüchtlingsstrom, der sich über Europa ergießt, kann auch nicht in unserem Interesse liegen. In einer Sendung von Günter Jauch hat ein Journalist von der SZ die in meinen Augen wirklich richtigen Fragen gestellt, wurde dafür aber leider hart angegangen. Doch auch die EU will ja in Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten gemeinsam die Fluchtursachen den Herkunftsländern bekämpfen – wie in einem der Punkte steht.
Darum halte ich es für wichtig, die relevanten Ursachen für Flucht aus der Heimat zu benennen, damit diese auch angangen werden können. Dass heißt:

– die Europäer müssen damit aufhören, die Küsten Afrikas leer zu fischen, was den Menschen an den Küsten die Lebensgrundlage entzieht, während ihre Regierungen dafür mit Almosen abgespeist werden;

– die Afrikaner dürfen nicht mehr zu Rohstofflieferanten degradiert werden, sondern müssen auch eigene Erzeugnisse damit produzieren;

– auch der Zwangsabkauf von Agrarland von den afrikanischen Bauern muss gestoppt oder zu gerechteren Bedingungen durchgeführt werden;

– nicht zuletzt müssen die Agrarsubventionen der EU ersatzlos gestrichen werden.
Es kann nicht sein, dass Agrarprodukte aus Europa in Afrika billiger angeboten werden, als sie die einheimischen Bauern anbieten können. Das kann schon deswegen nicht sein, weil die Transportwege viel länger sind und zudem die Produktions- und Lohnkosten hier in Europa viel höher sind. Auch dies macht die Wirtschaft Afrikas kaputt und behindert den Kontinet, starke staatliche Strukturen aufzubauen. Damit trägt auch die EU und z. B. auch Russland eine gehörige Mitschuld an dem Flüchtlingsstrom.

– Es ist weiterhin aber auch dringend notwendig, das explosionsartige Bevölkerungswachstum zu stoppen. Dies wird nach meiner Ansicht in Zukunft der Hautgrund für Umweltzerstörung und Hungersnöte sein – vielleicht sehen wir die Auswirkungen auch heute schon.

Und überhaupt: Gerade wir Deutsche sollten aus unserer Geschichte gelernt haben, dass noch so hohe und perfekt gesicherte Mauern gegen einen unbedingten Fluchtwillen nicht zu 100% nützen. Dort, wo sich auch nur die kleinste Niesche zur Flucht öffnet, wird sie zur Flucht genutzt, wenn die Lebensbedingungen in der Heimat unerträglich werden.

Zur Diskussion: Flüchtlingsdrama in Italien / im Mittelmeer