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Wer Wikileaks Spendengelder zukommen lassen möchte, der kann dies mittlerweile weder via Paypal noch über VISA oder Mastercard realisieren. Alle drei genannten Unternehmen haben Wikileaks gesperrt. Amazon hatte zuvor bereits den Wikileaks-Internetauftritt von seinen Servern verbannt. Dem nicht genug, wurde der Gründer Julian Assange per Interpol u.a. wegen dem Vorwurf der Vergewaltigung gesucht und letztendlich heute in Großbritannien verhaftet. So könnte man die Geschehnisse zusammenfassen, die sich nach der Veröffentlichung geheimer und vertraulicher Depeschen von US-Botschaften aus aller Welt (“Cablegate“) durch die Enthüllungsplattform Wikileaks ergeben haben.

Ohne Zweifel steht es Außenstehenden nicht zu, eine Beurteilung darüber abzugeben, ob Assange der Vergewaltigung schuldig ist oder nicht. Darum geht es nicht – das wird Gegenstand einer Befragung bzw. einer späteren Gerichtsverhandlung sein. Die genannten Ereignisse erscheinen jedoch dubios. Der Eindruck, dass hier Druck seitens bestimmter Regierungen ausgeübt worden ist, lässt sich nicht von der Hand weisen. Warum wurde erst nach “Cablegate” ein Interpol-Haftbefehl ausgestellt und Assange damit auf eine Stufe mit lange gesuchten Kriegsverbrechern gestellt? Die Vergewaltigungsvorwürfe liegen schon länger zurück und waren zwischenzeitlich auch wieder vom Tisch. Warum beenden US-Unternehmen wie Paypal (eine Tochtergesellschaft von Ebay), VISA, Mastercard oder Amazon auffallend schnell jegliche Geschäftsbeziehungen? Diese Unternehmen verweisen ihrerseits darauf, dass Wikileaks mit der Veröffentlichung der Depeschen illegal gehandelt bzw. derartige Machenschaften unterstützt habe. Ob an dieser Stelle überhaupt unrechtmäßige Handlungen vorliegen, sollten eigentlich Gerichte überprüfen. Unschuldsvermutung? Fehlanzeige! Wie stehen diese Unternehmen zu Diktatoren und Despoten in aller Welt? Sollte man nun auch undurchsichtigen russischen Oligarchen die Kreditkartenverträge kündigen?

Man kann Wikileaks und seinem Aushängeschild Assange gegenüberstehen wie man will. Ob Staatsgeheimnisse wirklich an das Licht der Öffentlichkeit gehören, sei ebenso dahingestellt. Schaden wird der bestehende Rummel Wikileaks jedenfalls nicht – im Gegenteil. Zurzeit können selbst viele Skeptiker gar nicht anders, als mit Wikileaks zu sympathisieren.

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