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Lang lang ists her… Am 11. Januar 2002 einigten sich die CDU-Vorsitzende, Angela Merkel, und der damalige Chef der bayerischen Schwesterpartei CSU, Edmund Stoiber, auf die Kandidatur des Bayern bei der im Herbst des gleichen Jahres anstehenden Bundestagswahl. Die Entscheidung fiel während eines gemeinsamen Frühstücks der Kontrahenten im bayerischen Wolfratshausen. Merkel, die Frau im Bunde, hatte sich also nicht gegen ihren männlichen Kontrahenten durchsetzen können, so schien es jedenfalls. Heute wissen wir, dass diese vermeintliche Niederlage der Anfang eines innerparteilichen Siegeszuges war, der schon drei Jahre später in der eigenen Kanzlerschaft mündete. Aber blicken wir erst einmal zurück…

“Ein Glas Champagner öffnen”

Ob man Edmund Stoiber sympathisch findet oder nicht, das ist eine ganz eigene Frage. Aber was hätten wir nicht alles verpasst, wenn wir auf seine berühmt berüchtigten verbalen Comedy-Einlagen hätten verzichten müssen. So auch am Wahlabend des 22.09.2002, als er etwas vorschnell den Wahlsieg der Union mit den Worten verkündete, dass er heute “noch ein Glas Champagner öffnen” werde. Sei es wie es sei, wenige Stunden später war klar, dass rot-grün unter Gerhard Schröder die Nase vorn hat und weiterregieren kann. CDU/CSU hatten die Wahl verloren, und dass sowohl Edmund Stoiber als auch Angela Merkel –  zumindest vordergründig. Denn bereits kurz nach der Wahl wurde klar, wer in der Union zukünftig den Ton angeben wird. Stoiber war aufgrund der Wahlniederlage, die er nominell als Kanzlerkandidat zu verantworten hatte, innerhalb der Union angezählt. Er blieb der Berliner Politik anschließend auch weitestgehend fern und beschränkte sich auf das “schönste Amt der Welt“: Ministerpräsident von Bayern. Friedrich Merz, bisweilen Fraktionschef von CDU/CSU, wurde nach der Wahl zum Vize degradiert – zu Gunsten Angela Merkels, die das Amt neben dem CDU-Parteivorsitz gleich mit übernahm. Merz trat einige Jahre später vollends von der politischen Bühne ab. Und Stoiber? Er sollte eigentlich 2005 doch noch den Sprung nach Berlin wagen und eine tragende Rolle innerhalb der Großen Koalition – unter Merkel – spielen. Eine Art “Superministerium”  stand im Raum. Relativ überraschend nahm er jedoch von diesem Vorhaben Abstand und blieb erneut in Bayern. Zwei Jahre später gab er – nicht ganz freiwillig – sein Ministerpräsidentenamt und den CSU-Pateivorsitz ab. Aber Merz und Stoiber sollten nicht die letzten “Herren” in der Union sein, die an Merkel scheitern. Aus den unterschiedlichsten Gründen sind bis heute alle potenziellen Widersacher, von Oettinger über Wulff bis zu Koch, Rüttgers, van Beust und Althaus, von Dannen gezogen. Gegner in ihrer Partei müssen heute schon mit der Lupe gesucht werden. Selbst potenzielle Kronprinzessinnen und -prinzen, wie Ursula von der Leyen oder Karl-Theodor zu Guttenberg, scheuen einen Konflikt mit der Kanzlerin, wie der Teufel das Weihwasser. Zu stark agierte Merkel in der Vergangenheit; zu sehr verstand sie es, innerparteiliche Gegner klein zu halten, weg zu loben oder fallen zu lassen. Das Spiel der Macht beherrscht sie mit Bravour. Ganz der Ziehvater Helmut Kohl.

Und 2013?

Was gewesen wäre, wenn Stoiber damals tatsächlich die Kanzlerschaft errungen hätte, das verbleibt selbstverständlich im Reich der Spekulation. Angela Merkel hatte zumindest den richtigen Riecher, als sie damals, ohne großartigen Widerstand, ihrem bayerischen Kollegen die Kandidatur überließ. Heute ist sie die unumstrittene Nummer 1 der Union. Horst Seehofers Querschüsse aus München werden medial allenfalls als kleine Störfeuer wahrgenommen. Einen ebenbürtigen Gegner sieht man in ihm nicht. Wer bei der nächsten Bundestagswahl 2013 für die Union ins Rennen geht entscheiden nominell die beiden Unionsparteien. Faktisch hängt es davon ab, ob Angela Merkel eine erneute Kandidatur wünscht oder anstrebt. Widerspruch aus den eigenen Reihen ist nicht zu erwarten.

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