Wir danken Policywatch für die Bereitstellung der Kommentare.


Ach, waren das noch spannende Zeiten, als man das ausströmende Öl per Live-Webcam beobachten konnte, während man genüsslich in sein NORDSEE-Shrimps-Baguette gebissen hat. Gerade wo im Sommer eh nur reihenweise Wiederholungen im Fernsehen gesendet werden, war das doch mal (abgesehen von der Fußball-WM) eine willkommene Abwechslung. Die US-Ausgabe der Hobbythek als tägliche Doku-Soap. Man hätte sich Jean Pütz als Kommentator sehr gut vorstellen könnte: “Lieber Bastelfreund, heute versuchen die Inscheniöre noch mal dat große Loch zuzumachen”. Auch in die Sendung mit der Maus hätte man das gut einbauen können.
Und dann machten die Spielverderber von BP in der Folge 115 auf einmal tatsächlich das Bohrloch zu und der Zuschauer wurde wieder gezwungen, zwischen Rosamunde Pilcher-Schmonzetten, dem Musikanten-Folter-Stadl, den 10 peinlichsten Schlammasseln der Welt, Toto & Harry, Ernie & Bert, Tati & Foffi, Super-Nanny, Super-Hundeversteher und und und hin und her zu zappen.

Ungefähr 780 Millionen Liter Öl später konnten BP und Barack Obama vor ein paar Tagen endlich verkünden: MISSION ACCOMPLISHED! Diesmal ohne medienwirksame Landung auf einem Flugzeugträger, aber die Botschaft kam an: Endlich Ruhe. Das Loch ist dicht! Gleichzeitig ließ man verlauten, dass nun eigentlich so gut wie kein Öl mehr zu sehen ist.

SOMMERSCHLUSSVERKAUF! ALLES MUSS RAUS! ÖLTEPPICHE ZU 72% REDUZIERT!

Was für eine Erfolgsbilanz:

25% verdunstet
33% vernichtet oder von Schiffen aufgenommen
24% auf natürliche Weise in mikroskopische Tropfen zerfallen

Bleiben noch 28% – also über 200 Millionen Liter Öl. Aber die US-Regierung und BP arbeiten schon daran, die Ölrückstände auf Null runter zu fahren. Da ist Kreativität gefragt. Wahrscheinlich zerbricht sich gerade eine Special Task Force mit dem Decknamen “Abracadabra” den Kopf darüber, den lächerlich geringen Rest zu suchen und zu eliminieren. Gerüchten zufolge sind jetzt die ersten Zwischenergebnisse durchgesickert (welch herrliches Wortspiel):

10% wurden durch die Meerestiere aufgesogen (das spart zudem noch Fett bei der Zubereitung)
15% wurden von mexikanischen Einwanderern verschluckt, die mit dem Boot in die USA flüchten wollten
3% wurden von ehemaligen Guantanamo-Häftlingen mit großen Auffangbottichen aus dem Meer auf das kubanische Festland befördert

Der Rest wird bis zu Obamas Wiederwahl 2012 schon irgendwie weggezaubert werden.

Oder war das alles eventuell gar nicht real? War das nur ein neues Endzeit-Epos von Hollywood-Starregisseur Roland Emmerich und wir waren alle live bei den Dreharbeiten dabei? Ein Ölfilm im wahrsten Sinne des Wortes? Oder hat der Klimabeauftragte Al Gore gar seine Finger drin? Zuerst die Mondlandung, dann der 11. September und nun die Ölpest am Golf. Wir fallen aber auch jedes Mal wieder drauf rein.

Dieser Artikel wurde auf Policywatch veröffentlicht.